08.07.10 - Ein starker, plötzlich einsetzender Harndrang und die verzweifelte Suche nach der nächsten Toilette: Die Dranginkontinenz ist eine häufige und besonders belastende Form der Blasenschwäche. In vielen Fällen beruht sie auf einer überempfindlichen Blaseninnenwand – beispielsweise aufgrund einer chronischen Blaseninfektion.
Bei einer chronischen Blaseninfektion ist die Blaseninnenwand dauerhaft durch Bakterien gereizt. Das bringt den Meldemechanismus zwischen Blase und Gehirn aus dem Lot: Körpereigene Messfühler signalisieren dem Gehirn „Blase voll“, auch wenn diese nur wenig gefüllt ist. Es kommt zu einem nicht zu unterdrückenden Harndrang. Dabei kann es passieren, dass Urin verloren geht, ohne dass der Betroffene es selbst steuern kann. Um die Symptome der Dranginkontinenz in den Griff zu bekommen, ist ein Toilettentraining hilfreich, bei dem der Betroffene lernt, die Abstände zwischen den Toilettengängen allmählich zu verlängern. Darüber hinaus existieren wirksame Medikamente, welche die dauerhaft angespannte Blasenmuskulatur lockern, die Aufnahmekapazität der Blase vergrößern und auf diese Weise die Kontrolle der Blasenfunktion verbessern. Wird eine chronische Blaseninfektion als mögliche Ursache für die Beschwerden diagnostiziert, muss sie umgehend behandelt werden.
Vollständig ausheilen lassen
Harnwegsinfektionen kommen in jedem Alter vor; sehr oft sind jedoch ältere Menschen betroffen. Ab dem 65. Lebensjahr erleiden 25 Prozent der Frauen und 10 Prozent der Männer eine Infektion der Blase. Diese kann chronisch werden, wenn sie nicht vollständig ausheilt. Aus diesem Grund ist bei Blaseninfektionen rasches Handeln angesagt – auch um zu verhindern, dass sich die Infektion auf die Nieren ausweitet. In jedem Fall sollten die Patienten viel trinken, um die Krankheitserreger aus der Blase auszuschwemmen. Lassen die typischen Symptome wie Brennen und Unterleibsschmerzen innerhalb eines Tages nicht nach, ist ein Antibiotikum notwendig. Dieses muss nach Anweisung des Arztes bis zuletzt eingenommen werden, auch wenn die Beschwerden bereits abgeklungen sind. Andernfalls können widerstandsfähige Bakterien überleben, und die Erkrankung flammt immer wieder auf. Mitunter bleiben Harnwegsinfektionen unerkannt, beispielsweise bei alten Menschen, die Schmerzen und Entleerungsprobleme infolge von Grunderkrankungen nicht ausreichend deuten können. In diesem Fall ist die Gefahr besonders groß, dass sich ein chronischer Harnwegsinfekt entwickelt.
Vorbeugen ist besser als behandeln
Damit es gar nicht erst soweit kommt, gilt es vorzubeugen – beispielsweise mit ausreichend Flüssigkeit und einem möglichst starken Immunsystem. Außerdem lohnt es sich, die Füße stets warm zu halten und den Unterleib nicht durch das Sitzen auf kalten Steinen zu verkühlen. Bei älteren Menschen, die auf einen Blasenkatheter angewiesen sind, ist auf eine sorgfältige Katheterpflege zu achten. Schließlich trägt eine angemessene tägliche Hygiene dazu bei, Harnwegsinfektionen zu verhindern.
Quelle:
Deutsche Seniorenliga
Nähere Informationen zum Thema Blasenschwäche erteilt die Deutsche Seniorenliga auf der Internetseite www.dsl-blasenschwaeche.de. Darüber hinaus erläutert die kostenlose Broschüre „Blasenschwäche ist kein Schicksal“ weitere Ursachen und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten der Harninkontinenz. Bestelladresse: Deutsche Seniorenliga (DSL) e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn; www.dsl-blasenschwaeche.de; Bestell-Hotline 01805 – 001 905 (0,14 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise abweichend).